Die internationale Konferenz fand vom 18. bis 22. September 2026 in Taipeh statt. Landrat Carsten Michaelis und Kreisbrandmeister Alexander Löchel haben den Landkreis Zwickau bei der Gründungsveranstaltung der World Alliance for Disaster Management (WADM) in Taiwan vertreten. Der Landkreis nahm gemeinsam mit einer Delegation aus dem Landkreis Görlitz als Beobachter teil.
Im Mittelpunkt der neu gegründeten Allianz steht der internationale Austausch zum Katastrophen- und Bevölkerungsschutz. Ziel ist es, Erfahrungen, Informationen und Technologien stärker miteinander zu teilen sowie perspektivisch gemeinsame Trainings, Übungen und Einsätze zu ermöglichen. Genau diese Aufgaben sind auch in den Statuten der Allianz verankert.
„Krisen und Katastrophen machen nicht an Verwaltungs- oder Landesgrenzen halt. Deshalb ist es wichtig, voneinander zu lernen und funktionierende Lösungen miteinander zu teilen. Besonders beeindruckt hat mich, mit welcher Konsequenz Taiwan das Thema Resilienz denkt – von der technischen Früherkennung bis zur Vorbereitung der Bevölkerung. Für uns im Landkreis Zwickau nehmen wir daraus wichtige Impulse für den eigenen Bevölkerungsschutz mit“, sagt Landrat Carsten Michaelis.
Die Konferenz beschäftigte sich unter anderem mit den organisatorischen Grundlagen der neuen Allianz, der Zusammenarbeit zwischen Behörden und Organisationen sowie mit der Frage, wie Gesellschaften widerstandsfähiger gegenüber Krisen und Katastrophen werden können. Zum Programm gehörten mehrere Vollversammlungen sowie ein Fachforum zum intelligenten Katastrophenmanagement.
Einen besonderen Schwerpunkt bildete der praktische Bevölkerungsschutz in Taiwan. Die Delegation besuchte unter anderem das Trainingszentrum der National Fire Agency und erhielt dort Einblicke in Ausbildung, Einsatzvorbereitung und taktische Verfahren der taiwanischen Feuerwehren. Bereits während der Reise hatte die sächsische Delegation insbesondere den fachlichen Austausch und das Zusammenspiel von Feuerwehren, Katastrophenschutz, Behörden, Hilfsorganisationen, Kommunen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft hervorgehoben.
Kreisbrandmeister Alexander Löchel zeigte sich vor allem vom umfassenden Lagebild der taiwanischen Gefahrenabwehr beeindruckt. Wetterdaten, Niederschlagsradare, Bodenfeuchtemessungen und seismologische Sensoren werden dort zusammengeführt, um mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Ergänzt wird dies durch Warnsysteme, regelmäßige Übungen und Kampagnen zum Selbstschutz der Bevölkerung.
„Der Ansatz, möglichst vor die Lage zu kommen, ist auch für uns entscheidend. Moderne Technik kann dabei helfen – genauso wichtig sind aber klare Strukturen, regelmäßige Übungen und eine Bevölkerung, die weiß, wie sie sich im Krisenfall verhalten muss. Genau diese Verbindung war in Taiwan sehr deutlich zu sehen“, so Löchel.
Die WADM unterscheidet zwischen Mitgliedern, Beobachtern und Partnern. Auch lokale Katastrophenschutzbehörden können dabei Beobachterstatus erhalten und an den Sitzungen teilnehmen sowie sich fachlich einbringen, verfügen jedoch nicht über ein Stimmrecht.
Für 2027 sind erste konkrete Schritte der internationalen Zusammenarbeit vorgesehen. Dazu zählen der weitere fachliche Austausch, der Vergleich von Verfahren sowie erste gemeinsame Übungen.
Für Michaelis ist deshalb klar: „Internationaler Austausch ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist, welche Erkenntnisse wir für unsere Strukturen vor Ort gewinnen. Bevölkerungsschutz wird angesichts von Extremwetter, möglichen Ausfällen kritischer Infrastruktur und immer komplexeren Einsatzlagen weiter an Bedeutung gewinnen. Deshalb ist es richtig, auch über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.“
